Aus kaltem Rauch bilden sich krebserregende Substanzen

Zigaretten

Das Gift, das bleibt

Der Rauch der Anderen macht krank, auch wenn die Verursacher längst weg sind. Es schadet offenbar nicht nur, in Gesellschaft von Rauchern den Giften des Qualms in Form von Passivrauch ausgesetzt zu sein. Auch der kalte Rauch – das sind die Reste von Zigaretten auf Möbeln, Teppichen, in Kleidern, Gardinen und Haaren – belastet die Gesundheit. In den USA wird diese Form der Schädigung als Third-Hand-Smoke bezeichnet. Ärzte, Umweltwissenschaftler und Chemiker aus Berkeley, San Francisco und Portland haben untersucht, wie sich das Nikotin mit verschiedenen Oberflächensubstanzen zu krebserregenden Stoffen verbindet (PNAS, online).
“Beim Verbrennen des Tabaks wird Nikotin in Dampfform frei – das setzt sich auf Wänden, Böden, Vorhängen und Möbeln ab und kann dort über Wochen oder Monate bleiben”, sagt der Berkeley-Chemiker Hugo Destaillats. “Mit salpetrigen Säuren bilden sich dann tabakspezifische Nitrosamine – das sind die reaktionsfreudigsten Karzinogene in Tabak und Tabakrauch.” In Laborversuchen hatten die Forscher beobachtet, dass sich zehnmal mehr der gefährlichen tabakspezifischen Nitrosamine (TSNA) gebildet hatten, nachdem eine Oberfläche Zigarettenrauch ausgesetzt war.

“Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet, da sie auf dem Boden rutschen und vieles ablecken”, sagt Lara Gundel, Ko-Autorin der Studie. “Ein Ventilator oder die Fenster zu öffnen, ändert kaum etwas.” Die krebserregenden Verbindungen können nicht nur über Mund und Nase, sondern auch über die Haut aufgenommen werden. Im Januar 2009 hatten Harvard-Mediziner im Fachblatt Pediatrics davor gewarnt, die Gefahr zu unterschätzen. “Es gibt keine unbedenkliche Konzentration Zigarettenrauch”, so die Autoren. “Das Gift bleibt, auch wenn der sichtbare Rauch verschwunden ist.”

Veröffentlicht von Gianna am 26.03.10

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