Freies Spielen ist wichtig für unsere Kinder
Psychologen warnen vor vollen Stundenplänen und zuviel Vorsicht
Immer lückenloser strukturieren viele Eltern die Stundenpläne ihrer Kinder und lassen ihnen somit kaum Zeit für das freie Spiel im Freien mit anderen Kindern oder einfach mit sich selbst, was für die Entwicklung äußerst wichtig ist. Die Forscher im American Journal of Play fanden heraus, dass die Eltern ihren Kindern damit nichts Gutes tun, denn
Viele Kinder können gar nicht mehr richtig spielen, da sie es nicht gelernt haben. Sie stehen bloß herum, wechseln sprungartig von einem Spiel zum nächsten und sozialisieren sich nicht
so die Psychotherapeutin und Expertin für Kindergartenpädagogik Erdmute Partecke.
Durch den Spielverlust können sich Depressionen entwickeln, bis hin zu Suiziden, Hilflosigkeitsgefühlen und narzisstischen Störungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Peter LeFrenier von der Universität of Main beklagt den Verlust der evolutionären Rolle des Spiels für die Stärkung der Knochen, Muskeln und des Herzens, sowie auch für den Feinschliff der Kommunikation, der emotionalen Regulierung und der Empathie. Das Übergewichts-Risiko ist dann auch fix dabei.
Viele Eltern sind kontrollsüchtig
Es werden viele Faktoren angeführt, wenn man danach fragt, was das Spielen ausgerottet hat. Die Eltern tragen die Hauptverantwortung, da sie für ihre Kinder eine perfekt kontrollierte Umgebung ersehnen, die ihnen die Werbung und diverse Hollywood-Filme schmackhaft machen. Das wird deutlich an vielen Punkten, wie z.B. der überzogenen Hygiene.
Die US-Psychologin Marano dazu
An einem schönen Sonntagmorgen sieht man viele Väter auf Spielplätzen. Bei jedem Kind steht ein Vater, der es am Ende der Mini-Rutsche auffängt und jede Bewegung des Kindes führt. Jegliches Spielen wird so verhindert.
Auch trägt zur Leere der Spielplätze die Überorganisation mit Sport- und Freizeitangeboten, sowie die hohe Faszination von TV, Videogames und Social Media bei. Der Begriff “Freispiel” wurde in Schulen und in Kindergärten in Deutschland lange Zeit eher fragwürdig praktiziert, so Erdmute Partecke.
Wo im Kindergarten zuvor die Erzieherin aufpasste, wollte man Anfang der 70er-Jahre liberal sein und Kinder stets frei wählen lassen. Der Mythos des heilen Kinderspiels, das man nicht stören darf, etablierte sich. Es wurde zum Ideal, ohne dass man es näher erforschte.
Weniger ist mehr – auch wenn’s um die Spielsachen geht
Partecke ist der Ansicht, dass man das Spielen bestenfalls in gut geführten Kinderkrippen oder Kindergärten erlernen kann.
Statt Kleinkinder in mit Spielsachen vollgepackten Räumen zurückzulassen, sollte man lieber Reize reduzieren, indem man nur Ausgewähltes da lässt. Bei guter Koordination und Förderung von Gruppen-orientierten Spielen stärkt das die Vorstellungskraft, befähigt zu anhaltender Beschäftigung mit einem Spiel und zu gemeinsamen Handeln.
Erwachsene sollten bei größeren Kindern nicht nur Aufsichtsperson sein, sondern auch einmal die freundlich zugewandte Beobachterrolle übernehmen, die kompetent mitdenken und Vorschläge bzw. Tipps liefern.
Die US-Studienautoren der University of Maine meinen auch, dass das gemeinsame Spielen von Kindern unterschiedlichen Alters sehr gut sei.
Ältere und kompetentere Kinder bilden das Gerüst, an dem sich die Jüngeren beim sozialen Lernen orientieren, während auch die Älteren in der Führungsrolle, als Beschützer oder als Lerner beim Lehren etablieren
Auch für Partecke ist das Zusammenführen von Ein- bis Dreijährigen und der Drei- bis Sechsjährigen sinnvoll – so sagt sie dazu:
Bis dahin können Kleinere hinauswachsen und an Rollenspielen teilnehmen, die sie zwar noch nicht verstehen, jedoch emotional mit ihnen verbunden sind. Bei größeren Abständen ist die Altersspanne für gegenseitiges Lernen zu groß.
Bild-Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de