Kinderbücher aus Pappe gefährlich?

Bilderbücher

Bereits heute müssen Kinderbücher aus Pappe eine Art Reißtest bestehen – die sogenannte Drehmomentsprüfung. Mit einer Metallzange wird an den Seiten herumgezogen, bis sie abknicken. Nur wenn sie eine bestimmte Kraft aushalten, entsprechen die Bücher der Norm.

Mit der neuen Richtlinie könnten die Vorschriften noch verschärft werden. Details hat die EU-Kommission bislang zwar nicht veröffentlicht. Die Verlage fürchten aber, dass sie bei den Papp-Kinderbüchern nachbessern müssen. Die mögliche Folge: Die Seiten der Bücher müssten dicker sein oder aus anderen Materialien hergestellt werden. Beides halten die Verlage für unpraktikabel. Droht nun das Ende des Pappkinderbuches?

“Wir müssten unsere Kinderbücher aus dem Sortiment nehmen”, sagt Katja Straub vom Düsseldorfer Patmos-Verlag. Schon heute seien die Seiten der Bilderbücher fünf bis sechs Millimeter dick. Noch dickere Bücherseiten seien unhandlich, nicht mehr kindgerecht und zu teuer in der Herstellung. Das meint auch Ulrich Störiko-Blume, Geschäftsführer des Boje-Verlags aus Köln. “Diese EU-Regel ist bürokratischer Schwachsinn und realitätsfern”, ereifert er sich. “Wenn Sie die Bücher so dick machen, dass sie nicht mehr reißen können, haben Sie einen Prügel von Buch, mit dem Sie einen erschlagen können.”

Ob die EU-Richtlinie zumindest aus Sicherheitsgründen gerechtfertigt ist, erscheint zweifelhaft. Brüssel befürchtet, dass Kinder Pappteile verschlucken und im schlimmsten Fall daran ersticken können. Experten allerdings haben von solchen Unglücksfällen noch nie gehört.

“Ich habe mich mit vielen Unfällen bei Kleinkindern beschäftigt, sowas war nie dabei”, sagt der Kinderarzt Hermann Josef Kahl aus Düsseldorf, gleichzeitig Sprecher des Verbandes Nordrhein im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Gefahr gehe bei Büchern von Metallbeschlägen oder Plastikteilen aus. Auch beklebte Folien oder giftige Farben können ein Problem sein. Doch verschluckte Pappe: “Das ist übertrieben.” Das sagt auch der Experte der Verbraucherzentrale NRW, Rolf Buschmann: “Mir sind keine Probleme bekannt.”

Richtlinie ist so gut wie beschlossen

Trotzdem werden die Regeln wohl in Kraft treten – als Teil der neuen Spielzeugrichtlinie der EU. Am Montag (15.12.08) soll diese in Brüssel im EU-Parlament beschlossen werden. Die Zustimmung ist nach Meinung der Grünen-Parlamentarierin Heide Rühle reine Formsache. Und Europa wird um eine umstrittene Bestimmung reicher sein.

Quelle: www.wdr.de

Quellenverzeichnis

  1. Foto: © Xenia Kehnen / pixelio.de

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